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Aktualisiert: 12. Juni 2025
Was hätte Umkehren für Sinn? Er heult ein bißchen, wirklich nur ein bißchen, als er nichts mehr von Jochem und den Schnucken sieht. Zuletzt, ehe der Leiterwagen in die Stadt rasselt, sieht Jachl, wie ein Dummerjan, nur in die Höhe, immer in den Himmel, grad' wie damals, als er wie besessen nach dem Luftschiff sah. Er fühlt plötzlich, von wem er jetzt Abschied zu nehmen hat: vom Himmel!
Nicht wegen Klas Hinnerk, dem Dienstherrn, hat er Eile, dem kommt er früh genug auch eine Stunde später. Und die Schnucken können auch noch ein bißchen warten. Nur Freude jagt ihn; zu sprechen hat er aufgehört. Ein paar Minuten hat er flöten müssen. Auf der Heide ist niemand, der Flöten verbietet. Nach dem Flöten ist das Singen gekommen und dann das Schweigen. Hügelauf, hügelab gehen sie.
Jochem, der nun schon so lange Jachls Schnucken in Behandlung hat, kann eigentlich überhaupt nicht schreiben. Mühsam, sehr mühsam buchstabiert Jachl aus den Zetteln, die von Zeit zu Zeit ankommen, was in »seinem« Stall passiert. Immer bleibt der Schnuckenstall »seiner«. Dem würde er schön grob kommen, der an diesen seinen Rechten zweifelte.
Je länger er hier arbeitet, je weniger böse ist er ihr. Hier werden sie nun doch mal so die Mädchen. Ein Glücksjäger bist du, mein Jachl, nicht, du Scheuer, du Reiner! Hinter deinen Schnucken verstehst du herzulaufen, aber nicht hinter deinem Glück! Was du auch tust, mir kommt es vor, du sähest in die Wolken. Ja, und »in die Wolken sehen« ist ein unsicherer Glücksweg.
Auf das Gespann seines Dienstherrn ladet Jachl sein Gepäck. Er darf nicht, wie er wollte, es allein schleppen. Ganz streng hat es der Doktor verboten. Seitdem er krank sein soll, reden sie ihm in alles rein. Jachl war das gar nicht gewöhnt. Seinen Schnucken war doch alles recht. Was soll man aber dabei tun? Am letzten Abend haben sich die Schnucken wie immer um ihren Schäfer gedrängt.
Da jetzt was schwebt da heran? Ein großer Vogel? Nein. Jachl reißt die Augen auf, so weit als möglich, weil er glaubt, dadurch besser sehen zu können. Schmal und lang ist das Unbekannte, mit Flügeln, die rennen wie Mühlräder, und die brausend immer näher heran kommen. Feuerrot wird Jachl. Niemand ist da, der mit ihm das Wunder studieren könnte. Nur die Schnucken.
Während der ersten Wochen ist er fast nur mit Zählen beschäftigt. Kaum hat er eine Schar richtig durchgezählt, so läuft sie plötzlich wirr durcheinander, und die Mühe des Zählens beginnt von neuem. Schnucken zu zählen ist nichts Leichtes. Allmählich lernt er's. Immer besser gelingt ihm die Übersicht. Verlaufene Tiere fängt er bald geschickt wieder ein.
Anfangs fallen ihm seine verlassenen Schnucken ein, bei denen hat er es doch am besten. Je mehr Branntwein er trinkt, je rascher laufen die Gedanken von den Schnucken fort zu Lieschen. Dideldumdei! Dideldumdei! Niemand wirft besorgte Blicke auf meinen Jachl. Sein helles Haargestrüpp, das er so fein mit Wasser fest zusammengeklebt hatte, steht ihm längst wieder richtig hoch zu Berge.
Er schwankt, welche Herde ihm die liebste sein würde. In Gedanken lebt er sich abwechselnd mit Schnucken, Gänsen und Kühen ein. Jede Art erfordert andern Verstand. Das weiß Jachl. Über einen Beruf sich den Kopf zu zerbrechen, bleibt ihm erspart. Vor eine Wahl wird er nicht gestellt. Was sollte er wohl anders werden als Schäfer? Wär's nur schon Ostern!
Die Heide, die Schnucken und Lieschen kommen immer bei ihm dicht zusammen. Lieschen ist doch seine Freundin; vielleicht sollte er sie nur ein bißchen daran erinnern. Vor Ostern schreibt er ihr deshalb: »Liebes Lieschen, wenn Du nicht kommst, reise ich zu Dir. Erlauben werden sie es hier jetzt bald. Komme doch an einem Feiertag. Ich bin bald gesund.
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