Einer Geliebten, in dem Augenblick, da sie in die getreue Arme eines Freundes zurück zu eilen glaubt, einen Dolch in diesen Busen stoßen, welcher sich von Zärtlichkeit überwallend an den seinigen drücken will? In der Tat, eine rührende Vorstellung; und wie viel mehr wurde sie es noch durch die unvermerkt sich einschleichende Erinnerung, was für ein Busen das war!

30 Und wie er ihn zu Rom im Lateran gesucht, Und, seiner dort viel Wochen ohne Frucht Erwartend, unvermerkt sein Bißchen Geld verzettelt, Darauf, mit Muscheln ausstaffiert, Sich durch die halbe Welt als Pilger durchgebettelt, Bis ihn sein guter Geist zuletzt hierher geführt, Wo Fatme, die er unverhofft gefunden, Auf beßre Zeit mit ihm zu harren sich verbunden.

Thut und kann er das, gelingt es ihm, unvermerkt auf der Schwelle seiner Ersehnten ein Gaislein zu opfern, dann ist sie ohne Widerruf mit ihm verlobt und ihre Anverwandten würden sich der Mißbilligung, ja der Feindschaft Aller aussetzen, wollten sie jetzt noch der Heirath hemmend in den Weg treten.

Danae hatte Ursache mit der Würkung dieser kleinen Kunstgriffe zufrieden zu sein. Dieser Umstand brachte zwar keine wesentliche Veränderung in seiner Art zu lieben hervor; doch ist gewiß, daß er nicht wenig dazu beitrug, ihn unvermerkt in eine Verfassung zu setzen, welche die Absichten der schlauen Danae mehr zu begünstigen als abzuschrecken schien.

Und so arbeitete seine Gemütsart, sein Talent und seine Lebensart dergestalt wechselsweise gegeneinander, daß er sich unvermerkt zu einem vollkommnen Schauspieler ausgebildet sah.

Aber, indem er mit den Händen um sich und über sich und unter sich griff, und den zärtlichen Vögeln wehrte, siehe, da geschah ihm etwas noch Seltsameres: er griff nämlich dabei unvermerkt in ein dichtes warmes Haar-Gezottel hinein; zugleich aber erscholl vor ihm ein Gebrüll, ein sanftes langes Löwen-Brüllen. "Das Zeichen kommt," sprach Zarathustra und sein Herz verwandelte sich.

56 Bald löset unvermerkt des Schlafes weiche Hand Der Nerven sanft erschlafftes Band. Indem erfüllt, wie aus der höchsten Sfäre, Die lieblichste Musik der Lüfte stillen Raum. Es tönt als ob ringsum auf jedem Baum Ein jedes Blatt zur Kehle worden wäre, Und Mara's Engelston, der Zauber aller Seelen, Erschallte tausendfach aus allen diesen Kehlen.

31 So ruft er aus, und, vom Vertraun gestärkt Daß Oberon ihn hört, berührt ihn unvermerkt Der mohnbekränzte Gott des Schlummers Mit seinem Stab, dem Stiller alles Kummers, Und wieget ihn, wiewohl nur harter Stein Sein Küssen ist, in leichte Träume ein. Hat ihm vielleicht, zum Pfand, daß bald sein Leiden endet, Der gute Schutzgeist selbst dieß Labsal zugesendet?

Da schickt’ ich mich an, zu Gott zu rufen, daß Er mir die Verachtung der Welt in die Seele senken möchte und die völlige Gelassenheit, aber unvermerkt ward solch’ Gebet zur Bitte, die Stunde meiner Losgebung möchte bald erscheinenund Beides zusammen konnte doch nicht bestehen. So hub ich denn in also zweifellichem Wahn meine Augen auf und sah hinaus, wie ich zuvor gethan hatte.

Plötzlich aber erschrak das Ohr Zarathustra's: die Höhle nämlich, welche bisher voller Lärmens und Gelächters war, wurde mit Einem Male todtenstill; seine Nase aber roch einen wohlriechenden Qualm und Weihrauch, wie von brennenden Pinien-Zapfen. "Was geschieht? Was treiben sie?" fragte er sich und schlich zum Eingange heran, dass er seinen Gästen, unvermerkt, zusehn könne.